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Karpaltunnelsyndrom: Was Ergotherapie vor und nach der Operation bringt

Die Hand schläft nachts ein, und Ausschütteln hilft. Irgendwann hilft es nicht mehr. Was dahintersteckt, was ohne Operation hilft und was in den Wochen danach zu tun ist.

Ein Karpaltunnelsyndrom entsteht, wenn der Mittelnerv an der Beugeseite des Handgelenks unter Druck gerät. Es ist das häufigste Nervenengpasssyndrom, also die häufigste Einengung eines Nervs, und macht sich fast immer zuerst nachts bemerkbar.

Auch genannt: Medianuskompressionssyndrom, KTS, CTS, Karpaltunnel-Syndrom

Veröffentlicht am Aktualisiert am Therawil, Praxis für Ergotherapie in Thalwil

Karpaltunnelsyndrom: Zwei Therapeutinnenhände untersuchen behutsam das Handgelenk einer erwachsenen Person auf einem Holztisch (Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz erzeugt)
Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Karpaltunnelsyndrom gerät der Mittelnerv an der Beugeseite des Handgelenks unter Druck. Typisch sind nächtliche Missempfindungen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
  • Nachts wird es schlimmer, weil das Handgelenk im Schlaf abknickt und der Druck im Kanal dadurch steigt.
  • Am besten belegt ist eine nachts getragene Schiene, die das Handgelenk gerade hält. Wichtig ist die neutrale Stellung; eine angepasste Schiene sitzt meist besser als eine konfektionierte.
  • Dauert die Taubheit mehrere Stunden ununterbrochen an oder wird der Daumenballen flacher, sollte die Hand zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
  • Nach einer Operation geht es um Narbe, Beweglichkeit, Kraft und die Rückkehr in den Alltag; diesen Teil übernimmt die Handtherapie.

Zahlen und Fristen auf einen Blick

Zahlen und Fristen auf einen Blick
FrageKurzantwort
Erstes ZeichenNächtliches Einschlafen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger
Gesichert wird es mitÄrztlicher Untersuchung und einer Messung der Nervenleitung
Ohne OperationNachtschiene in gerader Stellung, Anpassung von Griff und Arbeitsplatz, ärztliche Infiltration
Operation sinnvoll beiAnhaltenden Beschwerden, dauerhafter Taubheit, deutlich geschädigtem Nerv
Fäden entfernt nach10 bis 14 Tagen
Narbenbehandlung abFadenzug bzw. geschlossener Wunde, meist ab Tag 14, dann über mehrere Wochen
Zurück im BüroMeist nach 2 bis 3 Wochen
Zurück bei körperlich schwerer ArbeitHäufig erst nach 6 bis 12 Wochen
Wer zahltDie zuständige Versicherung auf ärztliche Verordnung

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Der Karpaltunnel ist ein enger Durchgang an der Beugeseite des Handgelenks. Darin laufen neun Beugesehnen und der Mittelnerv. Schwillt im Kanal etwas an, werden die Platzverhältnisse für den Nerv und seine Hülle, die Myelinscheide, zu eng. Daraus entstehen die Missempfindungen in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger.

Unten und seitlich bilden den Tunnel die Handwurzelknochen, oben ein straffes Band. Der Mittelnerv versorgt die Empfindung von Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und der daumenseitigen Hälfte des Ringfingers und steuert den Daumenballenmuskel an. Der kleine Finger gehört nicht dazu, was bei der Abgrenzung hilft.

Querschnitt durch den KarpaltunnelSchematischer Querschnitt durch das Handgelenk. Die Handwurzelknochen bilden unten und seitlich einen nach oben offenen Bogen. Darüber spannt sich ein straffes Band, das Retinaculum. Im Kanal liegen neun Beugesehnen und, direkt unter dem Band, der abgeflachte Mittelnerv.Straffes BandMittelnervBeugesehnen(Retinaculum)hier entsteht der Druckneun StückHandwurzelknochen
Querschnitt durch das Handgelenk, schematisch und nicht massstabsgetreu. Der Kanal kann sich nicht weiten. Schwillt darin etwas an, gibt der Nerv als weichstes Gebilde zuerst nach.

Der Tunnel kann sich nicht weiten. Schwellen die Sehnenscheiden nach ungewohnter Belastung an, oder lagert der Körper Flüssigkeit ein, wie in der Schwangerschaft, bei einer Schilddrüsenunterfunktion, bei Diabetes oder bei entzündlichem Rheuma, dann gibt der Nerv als weichste Struktur im Kanal nach.

Deshalb ist das Karpaltunnelsyndrom keine reine Vielschreiber-Krankheit. Tastaturarbeit allein löst es nach heutigem Wissensstand nicht aus. Häufiger sind Tätigkeiten mit kräftigem Zugreifen, mit Vibration und mit stark abgeknicktem Handgelenk.

Warum schläft die Hand ausgerechnet nachts ein?

Im Schlaf knickt das Handgelenk ab, und in dieser Stellung steigt der Druck im Karpaltunnel um ein Vielfaches. Deshalb weckt das Kribbeln nachts, und deshalb hilft Ausschütteln für ein paar Minuten. Die wichtigste Behandlung setzt genau hier an, bei der Stellung des Handgelenks im Schlaf.

Das erste Zeichen ist fast immer dasselbe. Man wacht auf, die Finger sind pelzig, es kribbelt wie nach einem Schlag auf den Ellbogen. Man schüttelt die Hand aus oder lässt sie aus dem Bett hängen, und es wird besser. Dies hilft vielen PatientInnen für eine gewisse Zeit, manchmal auch jahrelang.

Wie es weitergeht, wenn nichts passiert

  • Aus den nächtlichen Beschwerden werden solche, die auch tagsüber kommen, etwa beim Autofahren oder beim Telefonieren.
  • Die Finger fühlen sich taub an, als trüge man einen dünnen Handschuh. Kleine Dinge zu ertasten wird schwerer.
  • Zuletzt lässt die Kraft nach. Der Schlüssel dreht sich schlechter und das Glas rutscht. Der Daumenballen wird sichtbar flacher.

Wie wird ein Karpaltunnelsyndrom festgestellt?

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, nicht die Therapie. Das nächtliche Einschlafen der Hand weist so deutlich in eine Richtung, dass es zusammen mit der Untersuchung von Gefühl, Kraft und Muskelform meist genügt. Gesichert wird der Befund mit einer Messung der Nervenleitung.

Diese Messung, die Elektroneurografie, gilt als das zuverlässigste Verfahren. Sie zeigt zugleich, wie stark der Nerv bereits betroffen ist. Ein Ultraschall kann ergänzen, wenn das Bild unklar bleibt. Röntgen, CT und MRT sind für diese Frage wenig geeignet.

Das Ergebnis ist auch für die Therapie wichtig. Ob der Nerv leicht oder schwer betroffen ist, entscheidet mit darüber, ob man es konservativ versucht oder ob eine Operation zur Debatte steht. Bringen Sie den Befund deshalb zum ersten Termin mit.

Was hilft ohne Operation?

Am besten belegt ist eine Schiene, die das Handgelenk nachts in einer leichten Streckung von höchstens dreissig Grad hält. Dazu kommen Anpassungen bei Griff und Arbeitsplatz sowie, falls ärztlich verordnet, eine Infiltration. Die Wirkung der Infiltration hängt in erster Linie davon ab, wie lange der Nerv bereits eingeengt ist.

Die Nachtschiene

Eine Schiene, die das Handgelenk nachts gerade hält, ist die am besten belegte Massnahme ohne Operation. Sie behandelt nicht die Ursache, aber sie nimmt den Druckgipfel weg, der die Nacht zur Qual macht. Viele schlafen nach wenigen Nächten wieder durch.

Entscheidend ist die Stellung. Eine Schiene, die das Handgelenk nach hinten überstreckt, erhöht den Druck im Kanal genauso wie eine abgeknickte Haltung. Wichtig ist die neutrale Stellung; eine angepasste Schiene sitzt meist besser als eine konfektionierte. In der Handtherapie formen wir sie am warmen Kunststoff direkt an Ihrer Hand, bis sie sitzt und die Finger frei lässt.

Kortison und Nervengleitübungen

Eine Kortison-Infiltration in den Karpaltunnel bringt, wenn ärztlich angeordnet, vielen PatientInnen eine deutliche Erleichterung. Sie wird ärztlich durchgeführt. Wer darauf gut anspricht, profitiert erfahrungsgemäss auch von einer Operation.

Zu Nervengleitübungen, also Bewegungsfolgen, die den Nerv im Kanal sanft hin- und hergleiten lassen, ist die Beleglage dünner, als ihre Verbreitung vermuten lässt. Wir setzen sie ergänzend ein, da sie keinesfalls schädlich sind und teilweise spürbar helfen. Ein Nachweis, dass sie eine Operation abwenden, fehlt.

Wann ist eine Operation nötig?

Wenn die Beschwerden trotz Schiene bleiben, die Taubheit dauerhaft geworden ist oder die Messung einen deutlich geschädigten Nerv zeigt. Der Eingriff durchtrennt das straffe Band über dem Kanal, der Druck fällt weg. Über Zeitpunkt und Verfahren entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Der Eingriff selbst ist klein. Der Zeitpunkt ist der Punkt, der oft unterschätzt wird: Missempfindungen verschwinden nach der Operation meist rasch. Gefühl und Kraft, die über Monate verloren gegangen sind, kommen langsamer zurück, und manchmal nicht vollständig.

Zuwarten verschiebt deshalb nicht einfach den Eingriff, sondern kostet Aussicht auf ein gutes Ergebnis. Aus diesem Grund steht in diesem Text mehrmals, wann eine ärztliche Abklärung fällig ist.

Wie läuft die Zeit nach der Operation ab?

Verband und frühe Fingerbewegung in der ersten Woche, Fäden nach zehn bis vierzehn Tagen, danach Narbenbehandlung. Leichte Tätigkeiten kehren nach zwei bis drei Wochen zurück, kräftiges Zugreifen deutlich später. Massgebend sind immer die Vorgaben der operierenden Ärztin oder des operierenden Arztes.

  1. Woche 1: Ein dicker Verband schützt die Wunde. Die Finger werden von Anfang an bewegt, genau das verhindert, dass Sehnen verkleben und die Hand anschwillt. Die Hand wird hochgelagert, nicht geschont.
  2. Tag 10 bis 14: Die Fäden werden gezogen. Sobald die Wunde geschlossen ist, darf die Narbe behandelt werden.
  3. Nach dem Fadenzug, meist ab Tag 14: Narbenmassage, mehrmals täglich wenige Minuten, mit kleinen festen Kreisen. Das macht das Gewebe über Wochen geschmeidig und die Narbe unempfindlicher gegen Druck.
  4. Woche 2 bis 4: Leichte Alltagstätigkeiten kommen zurück. Kraftvolles Zugreifen und Abstützen auf der Handfläche noch nicht.
  5. Woche 4 bis 12: Kraftaufbau, Feinmotorik, Belastungsaufbau bis zur Arbeit. Wann Sie wieder arbeiten, hängt weniger vom Kalender ab als von dem, was Sie tun.

Was macht die Ergotherapie dabei?

Sie ist das Handwerk um den Nerv herum: Schienenbau vor der Operation, danach Narbe, Schwellung, Gefühl, Kraft und die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Dazu gehört der Blick auf Ihre Griffe und Werkzeuge, damit der Nerv nicht wieder unter Druck gerät. Ziel ist, dass die Hand wieder das tut, wofür Sie sie brauchen.

  • Schienenbau. Wir fertigen die Nachtschiene individuell an und passen sie nach, wenn sie drückt oder verrutscht.
  • Narbenbehandlung. Massage, Anleitung für zu Hause, bei Bedarf Silikonauflage und Druckgewöhnung.
  • Schwellung und Beweglichkeit. Damit die Finger nicht steif werden, während die Wunde heilt.
  • Gefühl. Gezieltes Wahrnehmungstraining, wenn die Fingerkuppen taub oder überempfindlich sind.
  • Kraft und Feinmotorik. Dosierter Aufbau statt alles oder nichts.
  • Arbeitsplatz und Rückkehr. Wir schauen an, wie Sie greifen, und ändern das, was den Nerv wieder unter Druck setzen würde.

Zum Üben zu Hause gibt es bei uns Übungsblätter zum Ausdrucken, kostenlos und ohne Anmeldung. Sie ersetzen keine Behandlung, aber sie halten das, was in der Therapie erarbeitet wurde, zwischen den Behandlungen der Ergotherapie präsent.

Häufige Fragen

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Worauf sich dieser Text stützt

  • Deutschsprachige S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms, Registernummer 005-003 (fremde Seite, öffnet in einem neuen Fenster), Stand 2022. Daraus stammen die Aussagen zur nächtlichen Schiene, zur Messung der Nervenleitung und zur Operationsindikation.
  • Öffentlich zugängliche Nachbehandlungsanleitungen von Handtherapie-Abteilungen. Daraus stammen die Zeitangaben zu Fadenzug, Narbenbehandlung und Belastungsaufbau.
  • Erfahrung aus der eigenen Praxis in Thalwil.

Redaktionell geprüft am · Therawil, Praxis für Ergotherapie in Thalwil

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