Was ist Arthrose an den Fingern und am Daumen?
Arthrose ist der Verschleiss des Gelenkknorpels. An der Hand betrifft sie am häufigsten das Daumensattelgelenk und die kleinen Fingergelenke. Der Knorpel wird dünner, der Knochen baut am Rand an, die Kapsel verdickt sich. Das Gelenk schmerzt bei Belastung, wirkt morgens steif und verliert nach und nach an Beweglichkeit.
Der Knorpel überzieht die Gelenkflächen und verteilt den Druck. Bei einer Arthrose wird diese Schicht dünner und rauer. Der Knochen darunter reagiert und bildet am Gelenkrand Anbauten, sogenannte Osteophyten. Kapsel und Bänder verdicken sich. Das Gelenk wird breiter und härter, und seine Bahn wird enger.
Am Daumen kommt eine Besonderheit dazu. Das Daumensattelgelenk trägt die Beweglichkeit des ganzen Daumens: Es erlaubt Beugen, Strecken, Abspreizen und das Gegenüberstellen zu den Fingern. Genau diese Freiheit erkauft es sich mit wenig knöcherner Führung. Wer kräftig zugreift, presst mit einem Vielfachen der Fingerkraft auf diese kleine Fläche.
An der Hand verläuft die Arthrose oft in Schüben. Über Wochen ist ein Gelenk warm, geschwollen und druckempfindlich, danach beruhigt es sich wieder. Die Verdickung bleibt. Viele Menschen erleben die stärksten Schmerzen in einer frühen Phase und nicht dann, wenn das Röntgenbild am schlechtesten aussieht.
Die Diagnose stellt immer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, nie die Therapie. Untersuchung und Röntgenbild trennen die Arthrose von anderen Ursachen, etwa einer rheumatoiden Arthritis, einer Sehnenscheidenentzündung am Daumen oder einer Gicht.
Welche Gelenke sind zuerst betroffen?
Am häufigsten beginnt die Handarthrose am Daumensattelgelenk, an den Fingerendgelenken und an den Fingermittelgelenken. Knöcherne Verdickungen an den Endgelenken heissen Heberden-Knoten, die an den Mittelgelenken Bouchard-Knoten. Das Handgelenk selbst bleibt bei dieser Form meist verschont. Welche Gelenke betroffen sind, zeigt die ärztliche Untersuchung, bei Bedarf ergänzt durch ein Röntgenbild.
- Daumensattelgelenk an der Daumenwurzel, die Rhizarthrose: Schmerz beim Aufschrauben, Schlüsseldrehen, Auswringen und beim Zuknöpfen.
- Fingerendgelenke, die Heberden-Arthrose: Die knotigen Verdickungen sitzen ganz aussen, direkt unter dem Nagel.
- Fingermittelgelenke, die Bouchard-Arthrose: Das Gelenk wird spindelförmig dick, die Faust schliesst nicht mehr ganz.
Die Knoten sind keine Weichteilschwellung, sondern Knochen. Sie bilden sich nicht zurück, auch wenn der Schmerz später abnimmt. An den Endgelenken kann sich daneben eine kleine, prall gefüllte Zyste bilden, die auf das Nagelbett drückt und den Nagel rillig wachsen lässt.
Typisch ist der Befall auf beiden Händen und an mehreren Gelenken zugleich, häufig spiegelbildlich. Das unterscheidet die Fingerarthrose von einer Arthrose nach einem Bruch, die genau ein Gelenk trifft.
Warum sind Frauen häufiger betroffen?
Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, und die Beschwerden beginnen oft um die Wechseljahre. Warum das so ist, ist nicht abschliessend geklärt. Diskutiert werden der sinkende Östrogenspiegel, eine grössere Bandlaxität und die Vererbung. Belege für eine Hormontherapie gegen Handarthrose fehlen bislang.
Der zeitliche Zusammenhang mit der Menopause ist auffällig und wird seit Langem untersucht. Beobachtungsstudien fanden bei Frauen unter Hormonersatztherapie seltener Gelenkersatz an Hüfte und Knie. Eine abgeschlossene klinische Studie, die gezielt Menschen mit Handarthrose einschliesst, ist uns nicht bekannt. Aus dem Hormonspiegel lässt sich deshalb keine Behandlung ableiten.
Sicherer ist die familiäre Häufung: Wer Mutter oder Grossmutter mit knotigen Fingergelenken kennt, hat ein höheres Risiko. Dazu kommen Faktoren, die man kennt und teilweise beeinflussen kann.
- Alter, mit Abstand der stärkste Faktor.
- Frühere Verletzungen oder Brüche am betroffenen Gelenk.
- Tätigkeiten und Hobbys mit hoher, wiederholter Griffkraft.
- Übergewicht, das bei Arthrose auch an Gelenken wirkt, die kein Körpergewicht tragen.
Die Hand trägt kein Körpergewicht; hier setzt der Gelenkschutz bei der Griffkraft an.
Was heisst Gelenkschutz im Alltag?
Gelenkschutz heisst, dieselbe Tätigkeit mit weniger Kraft und über mehr Gelenke verteilt zu erledigen. Grosse Griffe brauchen weniger Kraft als dünne. Lasten gehören auf die flache Hand oder den Unterarm, nicht in den Spitzgriff. Schieben ist günstiger als tragen. Die europäische Fachgesellschaft empfiehlt diese Schulung allen Betroffenen.
Gelenkschutz ist keine Schonhaltung. Sie bewegen weiter, holen die Kraft aber aus einem anderen Gelenk und aus einer anderen Richtung; über einen Tag hinweg macht das den Unterschied zwischen einer Hand, die abends brennt, und einer, die ruhig bleibt.
In der Beratung schauen wir uns die Tätigkeiten an, die Ihnen wirklich weh tun, und suchen für jede eine andere Ausführung. Danach nehmen Sie das schriftlich mit; unsere Merkblätter für Patientinnen und Patienten fassen die Regeln mit Bildern zusammen.
Was bringen Hilfsmittel und eine Daumenorthese?
Hilfsmittel senken den Kraftaufwand, indem sie den Hebel verlängern oder den Griff verdicken. Eine Daumenorthese stabilisiert das Sattelgelenk und lindert den Schmerz; in Studien schnitten die geprüften Schienen meist besser ab als eine Scheinbehandlung. Die europäische Fachgesellschaft empfiehlt Orthesen bei Rhizarthrose ausdrücklich, auch über längere Zeit.
Ein Hilfsmittel nutzt Physik: Ein längerer Hebel senkt die nötige Kraft, ein dickerer Griff verteilt den Druck, eine feste Unterlage nimmt der Hand das Gegenhalten ab, und ein elektrisches Gerät ersetzt das Drehen ganz.
- Öffner für Schraubdeckel und Drehverschlüsse, die den Hebel verlängern.
- Griffverdickungen für Besteck, Stifte, Zahnbürste und Gartenwerkzeug.
- Rutschfeste Unterlagen, damit die andere Hand nicht gegenhalten muss.
- Schlüsseldreher und grossflächige Türgriffe statt runder Knäufe.
- Leichte Pfannen und Gefässe mit zwei Griffen.
- Elektrische Geräte für alles, was sonst gedreht, gerieben oder gepresst wird.
Die Daumenorthese hat ein anderes Ziel: Sie hält das Sattelgelenk in einer Stellung, in der es weniger schmerzt, und begrenzt die Bewegung, die den Schmerz auslöst. Sie soll das Greifen zulassen, sonst wird sie nicht getragen. In der Praxis wird eine Schiene entweder aus thermoplastischem Material angepasst oder als vorgefertigtes Modell ausgewählt und nachgeformt.
Zur Beleglage gehört die Einschränkung: Dass Schienen den Schmerz senken, zeigen mehrere Vergleichsstudien. Welche Bauform die beste ist, kurz oder lang, weich oder fest, ist damit nicht entschieden. Eine Netzwerkanalyse ordnete die lange feste Schiene beim Schmerz und die kurze feste bei der Funktion nach vorn, bezeichnete die Gesamtevidenz aber selbst als unklar; was Ihnen passt, zeigt sich beim Tragen.
Welche Rolle spielen Bewegung und Kraft?
Bewegung und gezielte Kräftigung gehören zur Standardbehandlung. Der belegte Nutzen ist allerdings klein: In einer internationalen Übersichtsarbeit sank der Schmerz im Mittel um einen halben Punkt auf einer Skala bis zehn, und die Evidenz gilt als von niedriger Qualität. Nach sechs bis zwölf Monaten war der Effekt nicht mehr nachweisbar.
Diese Zahl ist ernüchternd und trotzdem kein Grund, das Üben zu lassen. Die Muskeln um den Daumenballen führen das Sattelgelenk. Sind sie kräftig, wandert der Mittelhandknochen unter Belastung weniger aus der Pfanne. Dazu kommt, dass Beweglichkeit, die verloren geht, nur schwer zurückkommt.
In der Handtherapie üben wir deshalb in mehreren Richtungen, und zwar dosiert.
- Beweglichkeit: Die Daumenspanne offen halten, damit der Griff um dicke Gegenstände möglich bleibt.
- Stabilität: Die kurzen Daumenballenmuskeln gegen leichten Widerstand aktivieren, ohne den Schmerz zu provozieren.
- Kraft: Griff- und Schlüsselkraft langsam aufbauen, mit weichem Material und wenigen Wiederholungen.
- Koordination: Den runden Griffbogen üben, mit dem sich Kraft auf mehrere Finger verteilt.
Die Dosierung entscheidet. Schmerz, der während der Übung auftritt und danach rasch abklingt, ist in Ordnung; Schmerz, der Stunden anhält oder das Gelenk anschwellen lässt, war zu viel. Was zu Ihnen passt, klären wir in der Handtherapie in Thalwil anhand der Tätigkeiten, die Ihnen im Alltag fehlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn Schmerz und Funktionsverlust bleiben, obwohl Gelenkschutz, Orthese und Medikamente ausgeschöpft sind. Am Daumensattelgelenk wird meist das Trapezbein entfernt, an den Fingergelenken versteift oder ersetzt man das Gelenk. Kein Verfahren am Daumen hat sich in Vergleichsstudien als überlegen erwiesen. Die Entscheidung trifft die Handchirurgie.
Die Reihenfolge ist in den Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaft klar: Erst Schulung, Hilfsmittel, Übungen und Orthese, dazu bei Bedarf eine Schmerzbehandlung, und erst danach die Frage nach dem Eingriff. Chirurgie steht dort für Betroffene mit strukturellen Veränderungen, bei denen die übrigen Massnahmen den Schmerz nicht ausreichend gelindert haben.
Für das Daumensattelgelenk nennen die Empfehlungen die Trapezektomie, also die Entfernung des Trapezbeins, des kleinen Handwurzelknochens an der Daumenwurzel (auch grosses Vieleckbein genannt). In selteneren Fällen wird zusätzlich der erste Handwurzelknochen, das Kahnbein, entfernt; das nennt man Skaphoidektomie. Eine Übersicht über elf randomisierte Studien mit rund 670 Teilnehmenden fand keinen Beleg dafür, dass eine der Zusatztechniken bei Schmerz und Funktion besser abschneidet als die einfache Entfernung; die zusätzlichen Verfahren gingen mit mehr unerwünschten Ereignissen einher. Die Qualität dieser Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig.
An den Fingerendgelenken wird meist versteift, an den Mittelgelenken je nach Befund versteift oder ersetzt. Nach jedem dieser Eingriffe folgt eine handtherapeutische Nachbehandlung; die Fristen dafür gibt die operierende Klinik vor. Ein Termin für die Nachbehandlung lässt sich schon vor der Operation vereinbaren.
