Wann beginnt die Handtherapie nach einer Handoperation?
Das hängt vom Eingriff ab. Nach Sehnennähten und vielen Weichteiloperationen startet die Handtherapie in den ersten Tagen, teils noch im Verband. Nach anderen Eingriffen wird zwei bis drei Wochen zugewartet, bis die Wunde stabil ist. Massgebend ist die Verordnung der operierenden Ärztin oder des operierenden Arztes.
Es gibt kein einheitliches Datum, an dem die Nachbehandlung anfängt. Nach einer genähten Beugesehne wird oft schon in der ersten Woche mit geführten Bewegungen begonnen, weil eine Sehne, die sich nicht bewegt, mit dem umliegenden Gewebe verwächst. Nach manchen Knochenoperationen und nach einer Bandnaht steht dagegen zuerst die Ruhe, weil sich das Gewebe sonst nicht festigt; nach einer stabilen Verschraubung oder Verplattung wird dagegen oft früh bewegt. Hierbei wird immer ein Unterschied zwischen den passiven Anteilen des Bewegungsapparates, also Knochen, Bändern und Knorpel, und den aktiven Anteilen, also Sehnen und Muskeln, gemacht.
Als grobe zeitliche Anhaltspunkte gelten: Nach etwa zwei Wochen werden die Fäden normalerweise gezogen, entweder in der Ergotherapie oder in der Hausarztpraxis. Je nach ärztlicher Anordnung darf die betroffene Körperregion nach vier bis spätestens sechs Wochen normalerweise wieder bewegt werden. Die belastungsfreie Mobilisation ist teilweise schon deutlich früher erlaubt.
Deshalb gilt in der Handtherapie ein einfacher Grundsatz: Die Vorgaben der operierenden Ärztin oder des operierenden Arztes gehen immer vor. Sie kennen die Naht, die Stabilität der Versorgung und den Zustand des Gewebes. Wo eine Angabe aus dem Internet und das Nachbehandlungsschema sich widersprechen, gilt das Schema der operierenden Arztperson.
- Nehmen Sie das Nachbehandlungsschema oder den Operationsbericht zum ersten Termin mit.
- Klären Sie, welche Bewegung erlaubt ist, welche verboten ist und ab wann sich das ändert.
- Fragen Sie nach, wie lange eine Schiene getragen wird und wann die nächste Kontrolle ansteht.
- Melden Sie sich früh: Verordnung und Termin brauchen Vorlauf, und die erste Woche geht schnell vorbei.
In der Schweiz braucht Ergotherapie eine ärztliche Verordnung. Abgerechnet wird über die zuständige Versicherung. Was an Franchise und Selbstbehalt auf Sie zukommt, sagt Ihnen die zuständige Versicherung.
Was gilt in den ersten Tagen, solange die Wunde frisch ist?
In der ersten Woche geht es um die Wunde und um die Schwellung. Die Hand liegt möglichst über Herzhöhe, der Verband bleibt trocken und sauber, und die freigegebenen Gelenke werden bewegt. Was nicht operiert wurde, soll sich weiter bewegen: Schulter, Ellbogen und die freien Finger.
Hochlagern ist in dieser Phase die wirksamste Massnahme, die Sie selbst in der Hand haben. Über Herzhöhe fliesst Gewebsflüssigkeit ab, statt sich zu stauen. Gemeint ist nicht die Hand auf dem Kissen neben dem Körper, sondern die Hand über dem Herzen, auch nachts. In den ersten drei bis fünf Tagen lohnt sich diese Mühe am meisten.
Der Verband bleibt trocken, bis die Wunde verschlossen ist. Duschen geht mit Schutz, Baden und Schwimmen nicht. Ein feuchter oder verrutschter Verband muss so schnell wie möglich gewechselt werden und es darf nicht abgewartet werden. Eine Schulter, die zwei Wochen in der Schlinge hängt, wird ihrerseits steif, deshalb wird der Arm mehrmals täglich bewegt, soweit die Vorgaben das zulassen.
Wann werden die Fäden gezogen und ab wann wird die Narbe behandelt?
An der Hand kommen die Fäden in der Regel nach zehn bis vierzehn Tagen. Danach darf die Wunde nass werden, sofern sie trocken verschlossen ist. Die Narbenbehandlung beginnt, wenn die Wunde zu ist: Zuerst vorsichtig um die Narbe herum, dann auf der Narbe selbst.
Was die Narbenbehandlung leisten kann
Eine Narbe ist nach dem Fadenzug nicht fertig. Sie baut sich noch etwa ein Jahr lang um, oft länger, und in dieser Zeit lässt sie sich beeinflussen. In der Therapie wird die Narbe gegen die Unterlage verschoben, damit sie nicht mit Sehnen und Faszien verklebt, und die Haut wird gefettet, weil frisches Narbengewebe keine Talgdrüsen hat. Ist die Narbe berührungsempfindlich, wird desensibilisiert, also die Haut mit unterschiedlichen Materialien an Berührung gewöhnt, mehrmals täglich für kurze Zeit.
Narbenmassage und Silikonauflagen sind weit verbreitet, die Beleglage ist dünner als ihre Verbreitung vermuten lässt. Ein Cochrane-Review zu Silikonauflagen bei wulstigen Narben stuft die Sicherheit der Evidenz als niedrig bis sehr niedrig ein. Beides schadet nicht und viele Betroffene empfinden es als angenehm, aber es ist kein Versprechen auf eine unauffällige Narbe.
- Erst behandeln, wenn die Wunde vollständig geschlossen ist, nie auf Krusten oder offenen Stellen.
- Lieber mehrmals täglich kurz als einmal lang und kräftig.
- Die Narbe im ersten Jahr vor Sonne schützen, sonst bleibt sie dunkel verfärbt.
- Wird die Narbe rot und wulstig statt flacher, gehört sie ärztlich angeschaut.
Warum ist die Hand nach der Operation geschwollen und was hilft?
Eine Schwellung nach einer Handoperation ist normal. Das Gewebe reagiert auf den Eingriff, und die Hand hat wenig Platz für Flüssigkeit. Problematisch wird es, wenn die Schwellung bleibt: Eiweissreiche Flüssigkeit wird zäh, die Gelenke verlieren Spiel, und aus einer dicken Hand wird eine steife Hand.
Das stärkste Mittel gegen eine Schwellung, in der Fachsprache Ödem, ist die eigene Muskelpumpe. Jeder vollständige Faustschluss und jedes vollständige Öffnen der Hand schiebt Flüssigkeit aus dem Gewebe zurück in den Kreislauf. Deshalb steht in fast jedem Nachbehandlungsschema die gleiche Anweisung: Mehrmals stündlich wenige Bewegungen, im Rahmen dessen, was freigegeben ist, statt einmal am Tag ein langes Übungsprogramm.
- Hochlagern über Herzhöhe, in den ersten Tagen konsequent, später bei Bedarf.
- Bewegen der freigegebenen Gelenke, oft und kurz.
- Kompression mit Fingerling oder Handschuh, wenn die Wunde das zulässt.
- Entstauende Griffe in der Therapie, die zentral am Rumpf beginnen und erst dann zur Hand gehen.
In den ersten Tagen nach dem Eingriff kann Kühlen gegen die Schwellung helfen, weil Kälte die Gefässe eng stellt; ob und wie lange gekühlt wird, gibt die Klinik vor. Wärme wird über den gesamten Zeitraum vorsichtig eingesetzt, um das Gewebe zu lockern oder die Durchblutung der Finger zu verbessern. Warmwasserbäder mit Bewegungsübungen kommen erst infrage, wenn die Wunde verheilt und der Faden entfernt ist.
Was bringt eine Schiene und was kostet Ruhigstellung?
Eine Schiene schützt die Naht oder den Knochen vor Zug und hält die Gelenke in einer sicheren Stellung. Das ist ihr Nutzen. Ihr Preis ist Steifigkeit: Ein ruhiggestelltes Gelenk verliert Beweglichkeit, und Sehnen verkleben mit ihrer Umgebung. Deshalb wird so kurz und so gezielt ruhiggestellt wie möglich.
Schienen werden in der Handtherapie individuell angepasst, weil eine Hand nach einer Operation weder der Norm noch der anderen Hand entspricht. Eine schützende Schiene hält die operierte Struktur ruhig und lässt die übrigen Gelenke frei. Eine Lagerungsschiene hält die Hand in einer Stellung, in der die Bänder auf Länge bleiben. Eine Schiene mit Zug arbeitet gegen eine bereits eingetretene Bewegungseinschränkung.
Ruhigstellung ist also kein Ruhen, sondern ein Handel: Sicherheit gegen Beweglichkeit. Wer die Schiene länger als angeordnet trägt, muss mit einem zeitlich deutlich verzögerten Aufbau der Beweglichkeit rechnen. Wer sie zu früh weglässt, riskiert im ungünstigen Fall, dass die Naht nachgibt. Eine Nachfrage in der Therapie oder in der Klinik klärt, was in Ihrem Fall gilt.
- Klären Sie, ob die Schiene Tag und Nacht getragen wird oder nur zeitweise.
- Klären Sie, ob sie zum Waschen und für Übungen abgenommen werden darf.
- Druckstellen, Rötungen und Taubheit unter der Schiene sollten gemeldet werden, nicht ausgehalten.
- Eine Schiene, die verrutscht oder nach der Abschwellung zu weit wird, muss neu angepasst werden.
Wie läuft der Belastungsaufbau nach einer Handoperation ab?
Der Aufbau läuft in Stufen. Zuerst Bewegung ohne Last, dann Bewegung gegen leichten Widerstand, dann Greifen und Halten im Alltag, zuletzt Kraft und Ausdauer. Jede Stufe wird erst freigegeben, wenn die vorherige ohne Zunahme von Schmerz und Schwellung geht. Die Freigabe kommt von der operierenden Ärztin oder vom operierenden Arzt.
- Belastungsfreie Mobilisation: Geführte und aktive Bewegungen im freigegebenen Ausmass, mehrmals täglich kurz.
- Leichter Widerstand: Greifen weicher Gegenstände, Halten leichter Lasten nahe am Körper.
- Alltag: Anziehen, Zähne putzen, Schlüssel drehen, Flasche öffnen, zunehmend mit der operierten Hand.
- Kraft und Ausdauer: Gezielte Kräftigung und längere Tätigkeiten, zuletzt schweres Heben und Werkzeug.
Der Massstab ist die Reaktion am nächsten Morgen. Ein Ziehen während der Übung, das kurz danach wieder abklingt, ist meist in Ordnung. Schmerz oder Schwellung, die bis zum nächsten Tag anhalten, heissen, dass die Dosis zu hoch war. Dann wird eine Stufe zurückgegangen, nicht pausiert, denn eine Hand, die drei Wochen nichts tut, verliert erneut.
Der grösste Teil dieser Arbeit findet zwischen den Terminen statt. Ein Heimprogramm mit wenigen, klar beschriebenen Übungen ist wirksamer als eine lange Liste, die nach kurzer Zeit keine Beachtung mehr erhält. Passende Übungsblätter zum Ausdrucken finden Sie bei den Unterlagen für Patientinnen und Patienten.
Wann darf ich nach einer Handoperation wieder arbeiten?
Dafür gibt es keine allgemeine Wochenzahl. Entscheidend sind der Eingriff, der Heilungsverlauf und die Anforderungen der Tätigkeit. Eine Bürotätigkeit ist meist deutlich früher möglich als Arbeit mit Werkzeug oder schwerem Heben. Die Arbeitsunfähigkeit schreibt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, nicht die Therapie.
Zahlen kursieren reichlich, sie halten aber selten stand. Befragungen von Fachleuten zeigen, dass die Empfehlungen selbst beim gleichen Eingriff weit auseinandergehen, und der wichtigste Unterschied liegt ohnehin nicht in der Operation, sondern im Arbeitsplatz. Wer am Bildschirm arbeitet, kehrt anders zurück als wer eine Presse bedient oder Patientinnen und Patienten hebt.
Sinnvoll ist eine gestufte Rückkehr statt eines Stichtags: Reduziertes Pensum, angepasste Aufgaben, längere Pausen, und erst danach das volle Anforderungsprofil. In der Therapie lassen sich die Griffe und Lasten des eigenen Arbeitsplatzes nachstellen und beüben, bevor sie im Betrieb zum ersten Mal wieder gefordert sind.
- Sprechen Sie früh mit dem Betrieb über angepasste Aufgaben statt über ein Datum.
- Nach einem Unfall läuft die Nachbehandlung in der Regel über die Unfallversicherung; Franchise und Selbstbehalt entfallen nur, wenn der Unfall über die obligatorische Unfallversicherung des Arbeitgebers läuft, sonst gelten sie wie bei Krankheit.
- Zieht sich die Arbeitsunfähigkeit hin, kann eine Meldung zur Früherfassung bei der IV sinnvoll sein; möglich ist sie ab etwa dreissig Tagen ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit.
- Hilfsmittel und angepasste Werkzeuge sind oft die einfachere Lösung als noch mehr Training.
Wenn Sie eine ärztliche Verordnung haben und wissen möchten, wie rasch die Nachbehandlung starten kann, fragen Sie über die Terminvereinbarung an. Für Menschen, die nach der Operation nicht gut zu uns kommen, ist eine Behandlung zu Hause möglich, wenn die Verordnung das vorsieht, in Thalwil und in den Nachbargemeinden am linken Seeufer.
