Was ist Morbus Dupuytren?
Unter der Haut Ihrer Handinnenfläche liegt eine feste Faserplatte, die Palmaraponeurose. Beim Morbus Dupuytren vermehren sich dort Bindegewebszellen und lagern Kollagen ein. Es entstehen tastbare Knoten und daraus derbe Stränge. Diese Stränge verkürzen sich langsam und ziehen die Finger in die Beugung. Die Sehnen selbst sind nicht betroffen.
Die Palmaraponeurose verankert die Haut der Handfläche am Skelett, damit die Hand greifen kann, ohne dass die Haut wegrutscht. Bei einer Dupuytren-Erkrankung wandelt sich Gewebe dieser Platte um, und die beteiligten Zellen können sich zusammenziehen; das unterscheidet eine harmlose Verdickung von einem Strang, der einen Finger zieht.
Viele halten die Verhärtung für ein Sehnenproblem, weil der Strang beim Strecken hervortritt wie eine Saite. Die Beugesehnen liegen tiefer und sind gesund. Deshalb lässt sich der Finger passiv oft noch beugen, während das Strecken blockiert bleibt.
Die Erkrankung ist gutartig und streut nicht. Bei einem Teil der Betroffenen zeigen sich verwandte Verhärtungen an der Fusssohle oder über den Fingerknöcheln. Die Diagnose stellt immer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, nie die Therapie: Ein Knoten in der Handfläche kann auch von einer Zyste oder von einer Sehnenscheide stammen.
Wie fängt ein Knoten in der Handfläche an?
Am Anfang steht meist ein derber Knoten in der Handinnenfläche, oft auf Höhe des Ring- oder Kleinfingers. Er kann in dieser Phase druckempfindlich sein, später ist er es selten. Aus dem Knoten wächst ein Strang gegen den Finger. Erst wenn dieser Strang sich verkürzt, entsteht das Streckdefizit.
- Knoten: Eine harte Stelle in der Handfläche, mit der Haut oft verbacken.
- Hautzeichen: Über dem Knoten entstehen Grübchen oder eine Falte.
- Strang: Die Verhärtung zieht als Band Richtung Finger und tritt beim Strecken hervor.
- Beugekontraktur: Der Finger lässt sich nicht mehr ganz strecken, zuerst meist im Grundgelenk.
Der Verlauf ist langsam und ungleichmässig. Jahre ohne Veränderung sind möglich, dann geht es in einigen Monaten weiter. Ein Teil der Betroffenen bleibt beim Knoten und bekommt nie eine Kontraktur. Vorhersagen lässt sich das zu Beginn nicht.
Für die Behandlung zählt, welches Gelenk zieht. Ein Streckdefizit im Grundgelenk lässt sich meist gut korrigieren. Im Mittelgelenk der Finger ist es hartnäckiger, weil Kapsel und Bänder mit der Zeit schrumpfen. Deshalb wird dort früher zu einem Eingriff geraten.
Wer bekommt einen Morbus Dupuytren?
Männer erkranken mehrfach häufiger als Frauen, meist ab der Lebensmitte, und die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Die Veranlagung wird vererbt und ist in Nordeuropa verbreitet. Häufiger betroffen sind zudem Menschen mit Diabetes, mit Epilepsie, mit Lebererkrankungen sowie nach jahrelanger Arbeit mit stark vibrierenden Werkzeugen.
Die Vererbung wiegt schwer. Wer Verwandte mit Dupuytren hat, früh erkrankt, beide Hände betroffen sieht oder zusätzlich Knoten an der Fusssohle hat, muss mit einem ungünstigeren Verlauf rechnen. An der Behandlung ändert das wenig, es erklärt aber, warum manche mehrfach operiert werden und andere nie.
Handarbeit allein löst keinen Dupuytren aus. Hinweise auf ein erhöhtes Risiko gibt es für die jahrelange Arbeit mit stark vibrierenden Maschinen, nicht für gewöhnliche Büro- oder Hausarbeit.
Kann man einen Dupuytren-Strang wegtrainieren?
Bis anhin nicht. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es leider keine sichere therapeutische Methode, die einen bestehenden Strang auflöst, und keine Schiene, die sein Fortschreiten sicher aufhält. Kräftiges Dehnen des gebeugten Fingers hilft nicht und kann Gewebe verletzen. Bewegung erhält, was noch beweglich ist, sie ersetzt aber keinen Eingriff, wenn die Hand nicht mehr flach wird.
Diese Antwort ist unbequem, weil im Internet das Gegenteil steht. Übungsprogramme, Dehngeräte und Massagerollen werden dafür beworben. Leider gibt es aus klinischer Sicht keinen Beleg, dass sich ein Strang durch therapeutische Massnahmen zurückbildet. Fachgesellschaften halten fest, dass Schienen das Fortschreiten nicht verhindern und dass kräftiges Ziehen am gebeugten Finger schaden kann.
- Bewegung hält geschmeidig, was noch beweglich ist, und erhält die Kraft. Aus einem Strang macht sie kein normales Gewebe zurück.
- Eine Kortisoninjektion kann einen schmerzhaften Knoten beruhigen. Das Fortschreiten hält sie nicht auf.
- In frühen Stadien ohne Streckdefizit wird gelegentlich eine Bestrahlung angeboten. Über Nutzen und Risiko entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Sinnvoll sind Beobachten und Anpassen. Wer den Tischtest ab und zu selbst macht, merkt rechtzeitig, wann eine Abklärung ansteht. In der Handtherapie geht es dann um Griffe, die trotz Streckdefizit funktionieren, und um Werkzeuge, die weniger Handfläche brauchen.
Was ist der Tischtest und wann wird ein Eingriff besprochen?
Beim Tischtest legen Sie die Hand flach auf einen Tisch. Bleibt die Handfläche mit allen Fingern auf der Platte, ist der Test unauffällig. Heben sich ein Finger oder ein Teil der Handfläche ab, gilt er als positiv. Das ist der übliche Anlass, einen Eingriff handchirurgisch besprechen zu lassen.
Der Test misst, worauf es im Alltag ankommt: Ob die Hand sich öffnen lässt. Er braucht keine Geräte. Fotografieren Sie die flach aufgelegte Hand von der Seite, dann sehen Sie nach einem halben Jahr, ob sich etwas verändert hat.
In der Sprechstunde wird gemessen, wie viele Grad zur vollen Streckung fehlen, getrennt für jedes Gelenk. Als Richtwert für einen Eingriff gilt ein Streckdefizit von rund dreissig Grad im Grundgelenk. Im Mittelgelenk wird schon bei einem beginnenden Defizit dazu geraten, weil dort Kapsel und Bänder mit der Zeit schrumpfen und die Korrektur schwieriger wird. Entscheidend bleibt daneben, wie stark Sie die Hand im Alltag vermissen.
Welche Eingriffe gibt es bei Morbus Dupuytren?
Drei Wege sind gebräuchlich: Die perkutane Nadelfasziotomie, bei der der Strang durch die Haut mit einer Nadelspitze durchtrennt wird, die offene Operation mit Entfernung des erkrankten Gewebes und die Injektion eines Enzyms in den Strang. Welcher Weg passt, hängt vom Strang, vom betroffenen Gelenk und von Ihrer Situation ab.
Nadelfasziotomie
Der Strang wird in örtlicher Betäubung durch die Haut hindurch geschwächt, bis er reisst, und der Finger gestreckt. Es braucht keinen Schnitt und meist keine Naht; die Hand ist in wenigen Tagen wieder brauchbar. Das erkrankte Gewebe bleibt jedoch in der Hand, und die Beugestellung kehrt im Schnitt früher zurück.
Offene Operation
Über einen zickzackförmigen Schnitt wird das erkrankte Gewebe entfernt. Das heilt langsamer, hält im Schnitt aber länger. Nerven und Gefässe der Finger verlaufen dicht neben dem Strang, deshalb ist der Eingriff heikler, als die kleine Wunde vermuten lässt. Bei einem Defizit im Mittelgelenk oder bei einem Rückfall wird meist dieser Weg gewählt.
Injektion in den Strang
Ein Enzym wird in den Strang gespritzt und löst dessen Kollagenfasern, am Folgetag wird der Finger gestreckt. In der Schweiz war ein solches Präparat einige Jahre zugelassen; der Vertrieb wurde inzwischen eingestellt. Ob ein Injektionsverfahren zeitnah angeboten werden kann, sollte handchirurgisch abgeklärt werden.
Wie läuft die Nachbehandlung nach einem Eingriff ab?
Die Wunde braucht Ruhe, die Finger brauchen Bewegung. Beides beginnt früh: Bewegungsübungen in den ersten Tagen, die Fäden kommen in der Regel nach rund zwei Wochen. Danach folgen Narbenpflege, Behandlung der Schwellung und der Aufbau von Kraft. Eine Nachtschiene wird nach der Operation meistens vorbeugend eingesetzt. Nicht in allen Fällen ist sie notwendig; es wird fortlaufend kontrolliert, ob das Streckdefizit zurückkommt.
Nach der offenen Operation ist die Handfläche geschwollen und die Finger sind steif. Das geht zurück, wenn die Hand hoch gelagert und regelmässig sanft bewegt wird. Übliche Nachbehandlungspläne sehen mehrmals täglich kurze Übungseinheiten vor statt einer langen. Kräftiges Zupacken bleibt in den ersten Wochen aussen vor.
- Wunde: Sauber und trocken halten, Fäden in der Regel nach rund zwei Wochen.
- Schwellung: Hand hoch lagern, Finger bewegen, bei anhaltender Schwellung einen Kompressionsfingerling.
- Narbe: Nach abgeschlossener Wundheilung pflegen und behutsam mobilisieren; zu frühe kräftige Massage reizt mehr, als sie nützt.
- Streckung: Mehrmals täglich aktiv strecken, in kurzen Einheiten, bis an die Grenze und nicht darüber hinaus.
Zur Schiene lohnt sich eine genaue Aussage, weil sie oft pauschal verordnet wird. Eine randomisierte Studie fand nach offener Operation keinen Unterschied in Handfunktion und Streckdefizit, wenn zur Handtherapie eine Nachtschiene für alle dazukam. Sinnvoll ist sie dort, wo die Streckung wieder nachlässt, und dann angepasst.
Ein Restdefizit kann bleiben, vor allem am Mittelgelenk. Für den Alltag zählt weniger der letzte Grad Streckung als die Frage, ob die Hand wieder flach auf den Tisch passt. Die Handtherapie senkt in dieser Phase die Schwellung, hält die Narbe geschmeidig und baut Griffe auf; mit einer Verordnung vereinbaren Sie einen Termin am besten schon vor dem Fadenzug.
Kommt Morbus Dupuytren nach der Operation wieder?
Ja, das kommt vor. Der Eingriff entfernt den Strang, nicht die Veranlagung. Nach der Nadelfasziotomie kehrt die Beugestellung im Schnitt früher zurück als nach der offenen Operation, dafür ist die Erholung kürzer. Wie oft ein Rückfall auftritt, wird in Studien sehr unterschiedlich angegeben, weil schon der Begriff unterschiedlich definiert wird.
Die eine Arbeit zählt jeden neuen Knoten als Rückfall, eine andere erst ein Streckdefizit von zwanzig Grad oder eine erneute Operation. Deshalb gehen die Angaben in der Literatur weit auseinander, und deshalb steht hier keine Zahl; wer eine hört, sollte fragen, was darin gezählt wurde.
Ein Eingriff kauft Zeit und Funktion, er heilt die Erkrankung nicht. Ein zweiter Eingriff an derselben Stelle ist aufwendiger, weil Narbengewebe und Nerven schwerer zu trennen sind. Melden Sie sich deshalb wieder, sobald die Streckung nachlässt. Über das Kontaktformular klären wir mit Ihnen, ob ein Termin sinnvoll ist.
