Was passiert beim Tennisellbogen im Ellbogen?
Aussen am Ellbogen setzen die Muskeln an, die das Handgelenk strecken. Bei einem Tennisellbogen ist dieser Sehnenansatz durch wiederholte Belastung umgebaut: Die Kollagenfasern liegen ungeordnet, es sprossen kleine Gefässe ein. Entzündungszellen findet man dort kaum. Deshalb spricht die Fachwelt heute von Epicondylopathie und nicht mehr von Epicondylitis.
Der Knochenvorsprung an der Aussenseite des Ellbogens heisst lateraler Epicondylus. Dort laufen mehrere Unterarmmuskeln in einer gemeinsamen Sehne zusammen. Am häufigsten betroffen ist der Anteil eines Muskels, der das Handgelenk streckt und stabilisiert, während die Finger zugreifen. Jedes Mal, wenn Sie etwas festhalten, zieht diese Sehne an ihrem Ansatz.
Lange hiess das Bild Epicondylitis, also Entzündung. Gewebeproben zeigen etwas anderes. Man sieht vermehrte Bindegewebszellen, ungeordnete Kollagenfasern und einsprossende kleine Gefässe, aber keine typischen Entzündungszellen. Fachlich heisst dieser Umbau angiofibroblastische Hyperplasie. Er entsteht, wenn Mikroverletzungen schneller auftreten, als die Sehne sie reparieren kann.
Der Unterschied ist keine Wortklauberei. Er erklärt, warum Entzündungshemmer den Schmerz dämpfen, aber die Sehne nicht heilen, und warum Belastung zur Behandlung gehört: Sehnengewebe richtet sich nach der Zugrichtung aus, der es ausgesetzt wird.
- Betroffen ist die Sehne, nicht das Gelenk und nicht der Knochen. Da die Sehnen die Verlängerungen der Muskeln sind, ist teilweise von der Sehne und teilweise vom Muskelansatz die Rede.
- Der Umbau ist degenerativ, nicht entzündlich.
- Nur ein kleiner Teil der Betroffenen spielt Tennis; die meisten Fälle entstehen bei der Arbeit oder im Haushalt.
Wie fühlt sich ein Tennisarm an und was tut weh?
Der Schmerz sitzt am Knochenvorsprung aussen am Ellbogen und zieht in den Unterarm. Weh tut, was Kraft bei gestrecktem Handgelenk verlangt: Eine Tasse halten, einen Lappen auswringen, die Türklinke drücken, den Schraubenzieher drehen. Ein fester Händedruck ist unangenehm, und die Griffkraft lässt spürbar nach.
Typisch ist ein schleichender Beginn, oft ein bis drei Tage nach einer ungewohnten Tätigkeit. Anfangs schmerzt nur die eine Bewegung, die den Ärger ausgelöst hat. Später reicht die Kaffeetasse. Die Hand wird dabei nicht taub und kribbelt nicht; solche Zeichen sprechen für eine andere Ursache.
In der Untersuchung tastet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt den Punkt der grössten Empfindlichkeit und prüft ein paar gezielte Bewegungen. Der Schmerz lässt sich meist auslösen, wenn Sie das Handgelenk oder den Mittelfinger gegen Widerstand strecken. Auch das Anheben eines Stuhls mit nach unten gedrehter Hand ist ein gebräuchlicher Test.
Die Diagnose stellt immer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, nie die Therapie. Das zählt hier besonders, weil mehrere Dinge am äusseren Ellbogen ähnlich weh tun: Eine Einengung des Speichennervs im Unterarm, ein Verschleiss im Ellbogengelenk, eine Instabilität nach einem Sturz oder ausstrahlende Beschwerden aus der Halswirbelsäule.
Warum reicht Schonen bei einem Tennisarm nicht?
Ruhe nimmt den Schmerz, baut die Sehne aber nicht wieder auf. Eine degenerativ veränderte Sehne braucht Zug, damit sich das Kollagen neu ordnet. Wer die Hand über Wochen schont, verliert Griffkraft und Belastbarkeit. Der erste normale Arbeitstag danach überfordert die Sehne erneut. Dosiertes Wiederbelasten ist besser belegt als Schonen.
Schonung ist trotzdem nicht sinnlos. Was die Beschwerden ausgelöst hat, gehört für eine Weile heruntergefahren, sonst kommt die Sehne nie zur Ruhe. Der Unterschied liegt zwischen Belastung anpassen und Belastung weglassen. Angepasst heisst: Weniger Kraft, weniger Wiederholungen, kürzere Blöcke, andere Handhaltung. Weggelassen heisst: Der Arm macht wochenlang gar nichts mehr.
Der zweite Grund ist die Zeit. Muskeln werden in Wochen kräftiger, eine Sehne braucht Monate, bis sie mehr Last verträgt. Wer erst wieder belastet, wenn gar nichts mehr weh tut, fängt jedes Mal von vorne an und verliert die Monate, die der Umbau gebraucht hätte.
In der Handtherapie steht deshalb eine Bestandesaufnahme am Anfang: Welche Tätigkeit reizt, wie oft, wie lange, mit wie viel Kraft. Daraus entsteht eine Obergrenze für den Alltag und ein Startpunkt für das Training. Beides wird alle paar Wochen nachjustiert.
Welche Übungen helfen beim Tennisellbogen?
Am besten belegt ist Krafttraining der Handgelenkstrecker mit langsam gesteigerter Last. Exzentrische Übungen, also das kontrollierte Nachlassen gegen Widerstand, sind am längsten untersucht. Haltende und beugend-streckende Formen wirken ebenfalls. Entscheidend ist weniger die Bauart der Übung als die Dosierung über Wochen und die Regelmässigkeit.
Das Grundmuster ist einfach. Der Unterarm liegt auf, die Hand hängt über die Kante, in der Hand ein kleines Gewicht. Die Hand wird gehoben und danach sehr langsam abgesenkt, über drei bis vier Sekunden. Das langsame Absenken ist der exzentrische Teil, auf den es ankommt. Die gesunde Hand darf beim Heben helfen, damit nur das Absenken belastet.
- Startlast so wählen, dass die letzten Wiederholungen anstrengend sind und der Schmerz erträglich bleibt.
- Zwei bis drei Serien, wenige Wiederholungen, langsam ausgeführt, an den meisten Tagen der Woche.
- Rund zwei Wochen bei derselben Last bleiben und die Reaktion am Folgetag beobachten.
- Erst danach steigern, und zwar in kleinen Schritten: Mehr Gewicht oder mehr Wiederholungen, nie beides gleichzeitig.
- Griffkraft und die im Alltag störende Bewegung ergänzen, sobald das Handgelenk sie verträgt.
Bei starkem Reizzustand ist der Einstieg oft ein Halten statt ein Bewegen: Die Position wird gegen leichten Widerstand einige Sekunden gehalten, ohne dass sich etwas bewegt. Das gelingt meist auch dann, wenn jede Bewegung sticht. Ein Blick auf die Schulter lohnt sich ebenfalls, weil eine schwache Schulter mehr Arbeit auf Unterarm und Hand verlagert.
Was ein Übungsprogramm nicht leistet: Schnelle Wirkung. Vor sechs bis zwölf Wochen ist eine verlässliche Beurteilung kaum möglich. Eine schriftliche Anleitung mit der eigenen Last und den eigenen Wiederholungszahlen hilft mehr als ein Merkblatt von der Stange; Vorlagen dafür finden Sie bei den Unterlagen für Patientinnen und Patienten.
Was bringen Bandage, Spange und Tape?
Eine Spange unterhalb des Ellbogens oder eine Handgelenkschiene kann den Schmerz während einer belastenden Tätigkeit sofort senken. Ein Nachweis, dass sie den Verlauf über Monate verbessert, fehlt; die Leitlinien nennen die Beleglage widersprüchlich. Als Hilfe für einzelne Belastungen sinnvoll, als alleinige Behandlung nicht.
Die Spange sitzt ein paar Zentimeter unterhalb des schmerzhaften Punktes um den Unterarm. Die Idee dahinter: Der Zug der Muskeln wird teilweise am Band abgefangen, bevor er den Sehnenansatz erreicht. Manche spüren das sofort, andere empfinden den Druck auf den ohnehin gereizten Bereich als unangenehm.
Eine Handgelenkschiene verfolgt einen anderen Weg. Sie hält das Handgelenk in leichter Streckung und nimmt den Streckmuskeln damit einen Teil der Haltearbeit ab. Das kann bei Bildschirmarbeit oder beim Autofahren helfen. Getragen wird sie während der belastenden Tätigkeit und nicht rund um die Uhr, sonst kommt zum Sehnenproblem ein Kraftverlust dazu.
- Spange und Schiene sind Hilfen für bestimmte Stunden, kein Ersatz für den Belastungsaufbau.
- Sie gehören nicht Tag und Nacht getragen.
- Wenn der Druck den Schmerz verstärkt, ist das ein Grund, sie wegzulassen, kein Zeichen falscher Anwendung.
- Zu starrem Tape gibt es Hinweise auf kurzfristige Linderung; ein Langzeitnutzen ist auch dort nicht belegt.
Was bringen Kortison, Stosswelle und Eigenblut?
Kortison lindert für etwa sechs Wochen deutlich und verschlechtert das Ergebnis nach einem Jahr, bei höherer Rückfallrate. Die Stosswellentherapie kommt bei hartnäckigen Verläufen infrage, die Studien dazu widersprechen sich. Zu Eigenblut und plättchenreichem Plasma reicht die Datenlage bis heute nicht für ein klares Urteil.
Die Kortisonspritze ist der klarste Fall in diesem Beitrag, und ihr Ergebnis überrascht viele. Kurzfristig wirkt sie sehr gut. Über sechs bis zwölf Monate schneiden Behandelte schlechter ab als jene, die Übungen gemacht oder schlicht abgewartet haben. Eine allgemeinmedizinische Übersichtsarbeit nennt nach einer Injektion eine Rückfallrate von deutlich über der Hälfte.
Dazu kommt ein zweiter Befund: Die Spritze scheint den Nutzen einer gleichzeitig laufenden Übungstherapie aufzuheben. Beschrieben sind ausserdem Hautverfärbungen, Schwund des Unterhautfettgewebes und bei wiederholter Anwendung eine Schädigung der Sehne, was die Spritze nicht verbietet, aber zu einer Entscheidung mit Nachteilen macht.
Bei der Stosswelle ist die Lage unklarer. Die deutschsprachige Leitlinie lässt sie bei therapieresistenten Verläufen als Option zu, ältere systematische Übersichten fanden keinen belastbaren Effekt gegenüber einer Scheinbehandlung. Die Nebenwirkungen sind gering und vorübergehend, meist Rötung oder Schmerz während der Anwendung. Wer sie versucht, sollte das Übungsprogramm daneben weiterführen.
Zu Eigenblut und plättchenreichem Plasma gibt es Studien mit besseren Ergebnissen als unter Kortison und Studien ohne Unterschied zu einer Scheininjektion. Die Herstellungsverfahren unterscheiden sich stark, was den Vergleich erschwert. Die Leitlinie hält ein abschliessendes Urteil für noch nicht möglich.
Wie lange dauert ein Tennisarm und wann wird operiert?
Rechnen Sie in Monaten, nicht in Wochen. Die stark schmerzhafte Phase dauert meist sechs bis zwölf Wochen, und über achtzig von hundert Betroffenen geht es innerhalb eines Jahres deutlich besser. Bildgebung braucht es erst bei anhaltenden Beschwerden. Über eine Operation wird frühestens nach sechs Monaten erfolgloser konservativer Behandlung gesprochen.
Der Verlauf gilt als selbstbegrenzend, doch der Zeitraum dafür reicht bis zu zwei Jahre. Je nach Quelle spricht man ab drei bis sechs Monaten Beschwerdedauer von einem chronischen Verlauf. Rückfälle im ersten Jahr sind häufig, und ein Teil der Betroffenen hat auch nach zwei Jahren noch Einschränkungen bei kraftvollen Tätigkeiten.
Ungünstig auf den Verlauf wirken eine Beschwerdedauer von mehr als drei Monaten bis zum Behandlungsbeginn, gleichzeitige Nackenbeschwerden, körperlich einseitige Arbeit und ein Befall der Gebrauchshand. Wer früh anfängt, die Belastung zu ordnen, verkürzt den Verlauf nicht auf Wochen, kann aber die Spirale aus Schonung und erneutem Reiz vermeiden helfen.
Der Tennisellbogen wird klinisch diagnostiziert, ein Bild braucht es dafür nicht. Ein Röntgenbild kommt infrage, wenn ein knöchernes Problem oder ein Gelenkverschleiss im Raum steht. Bei einem Verlauf über sechs Monate wird der Zustand der Strecksehnen häufig mit Ultraschall oder Magnetresonanz dokumentiert, vor allem dann, wenn ein Eingriff zur Debatte steht.
Zur Operation gehört eine unbequeme Zahl. Die Leitlinie berichtet nach dem Eingriff von hoher Zufriedenheit, nennt aber auch 5 bis 20 Prozent ohne gutes Ergebnis. Und eine placebokontrollierte Studie fand für das Ausschneiden des veränderten Sehnenanteils keinen Zusatznutzen gegenüber einer Scheinoperation; deshalb wird der konservative Weg mit gezielter Bewegungstherapie klar bevorzugt.
Was können Sie an Arbeitsplatz und Griffen ändern?
Zwei Grössen treiben die Belastung: Kraft und Wiederholung. Als Risiko gelten wiederholte Handbewegungen über zwei Stunden am Tag und Lasten über zwanzig Kilogramm. Dagegen helfen dickere und weichere Griffe, Werkzeug mit weniger Rückschlag, häufigere kurze Pausen und ein Wechsel zwischen Tätigkeiten statt Stunden am gleichen Handgriff.
Ein dünner, harter Griff zwingt die Finger in eine enge Beugung und verlangt mehr Haltekraft für dieselbe Aufgabe. Ein dickerer, weicher Griff verteilt den Druck deutlich regelmässiger über die grössere Auflagefläche. Konkrete Masse gibt die Literatur nicht her, deshalb gilt eine Faustregel: Der Griff, mit dem Sie dieselbe Arbeit mit weniger Anstrengung erledigen, ist der richtige.
- Lasten näher am Körper tragen und mit gebeugtem Ellbogen statt mit gestrecktem Arm.
- Beim Heben die Handfläche nach oben drehen; das entlastet die Strecksehnen.
- Schwere Gegenstände mit beiden Händen nehmen, auch wenn eine reichen würde.
- Werkzeug mit Vibration und Rückschlag in kürzeren Blöcken einsetzen.
- Bei Bildschirmarbeit Maus und Tastatur so legen, dass das Handgelenk gerade bleibt und der Unterarm aufliegt.
- Aufgaben durchmischen statt eine Tätigkeit stundenlang am Stück.
Rauchen und Übergewicht stehen in der Leitlinie als Risikofaktoren. Beides lässt sich in einer Therapiestunde nicht ändern, gehört aber ins Bild, wenn ein Verlauf sich über Monate hinzieht.
Nur bei einem eigentlichen Unfallereignis oder einer anerkannten Berufskrankheit ist die Unfallversicherung zuständig, sonst die Krankenkasse; ein Tennisellbogen durch wiederholte Belastung bei der Arbeit gilt in der Regel nicht als Unfall. Für eine Behandlung bei uns brauchen Sie in beiden Fällen eine ärztliche Verordnung; einen Termin vereinbaren Sie über die Terminanfrage.
